CyBERNATIC DESIGN

Kybernetisches Design ist die konkrete Anwendung kybernetischer Grundlagen auf sämtliche Formen komplexer menschlicher Systeme und Kommunikation (wie Organisationen, Institutionen, Marken etc.). Grundproblem ist das Erreichen und Sicherstellen von bestmöglicher Steuerbarkeit der Organisation, ihrer Prozesse und der strategischen Kommunikation trotz extrem hoher Komplexität, geringer Prognostizierbarkeit sich dynamisch verändernder Verhältnisse, eingeschränkter Informationslage. Kybernetisches Design bietet Lösungen für dieses stochastischen Prozesse um zielgerichtet Problemlösungen zu entwickeln.

 

Im Gegensatz zu linear-kausalen Modellen, in denen ein Prozess oder eine Organisation nach bewusst vorgefassten Plänen gesteuert wird, nimmt Kybernetisches Design auf die Dynamik und Unvorhersehbarkeit komplexer Systeme explizit Rücksicht. Vorgefertigte Pläne mit linearer Grundlage können dies nicht und somit auch keine Innovationen für die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen entwickeln., kybernetische Rückkopplungsschleifen mit zirkulärer Grundlage können dies aber durchaus. Komplexität wird darin nicht auf wenige Variablen reduziert, sondern durch fortschreitende, interaktive Rückkopplungsprozesse informativ und operativ erschlossen. Ziel ist die Maximierung der Lebensfähigkeit sozialer Systeme (d. h. Optimierung innerer Prozesse und äußerer Anpassungsfähigkeit), die u.a. bereits dem 1959 von Stafford Beer entwickelten Viable System Model zugrunde liegt.

 

Damit man bei einem System von lebensfähig reden kann, muss sich dieses System an äußere und innere Änderungen anpassen können. Es muss lernen wahrzunehmen, aus Veränderungen lernen, diese sinnvoll verwerten, sich selbstständig weiterzuentwickeln. Dabei darf es die eigene Identität nicht aufgeben.

 

Nicht Gewinnmaximierung, sondern Überleben durch Veränderung und Innovation muss das Ziel sein. Nicht die Führung von Menschen, sondern das Lenken bzw. Steuern und Regulieren ganzer Organisationen in ihrer Umwelt ist entscheidend.
Das Conant/Ashby-Theorem besagt, dass die Effektivität eines Prozesses nicht besser sein kann als das Modell, auf dem er aufbaut – denn das Modell bestimmt, welche Fakten und Daten bewusst wahrgenommen werden, und welche nicht. Das Gesetz besagt, dass ein System, welches ein anderes steuert, umso mehr Störungen in dem Steuerungsprozess ausgleichen kann, je größer seine Handlungsvarietät ist. Eine andere Formulierung lautet: Je größer die Varietät eines Systems ist, desto mehr kann es die Varietät seiner Umwelt durch Steuerung vermindern.

 

Zeitgemäße Design- und Moderationsprozesse arbeiten letztlich auf dieser Grundlage. Im Kybernetisches Design führen wir diese Prozesse in einem konkret anwendbaren Modell zusammen und entwickeln diese weiter. Jeder Design Prozess ist die Simulation menschlicher Kommunikation, also die Reaktion eines komplexen biologischen Systems auf seine komplexe unvorhersehbare Umwelt. Kybernetisches Design ist somit Steuerung und Regelung von sozialen Organisationen und deren kommunikativen Prozessen (aufgrund der Rückkopplung durch Kommunikation und Beobachtung) unter Einbeziehung der Analogie zur Handlungsweise von lebenden Organismen (aufgrund der Rückkopplung durch Sinnesorgane.

 

Für die Konzeption und moderative Begleitung solcher Problemlösungsprozesse bedeutet dies, dass sie anderen Regeln folgen muss, als dies in einem klassischen Beratungs- oder Workshoprahmen der Fall ist. Das methodische Repertoire zur Gestaltung solcher Prozesse ist - was die Werkzeuge wie z.B. DesignThinking und Ihre Wirkung angeht - grundsätzlich dasselbe, wie im klassischen Kontext. „Die Anforderungen an Prozesswissen, Dynamik und Haltung des Moderators sind jedoch wesentlich komplexer“ (Groß 2017, S. 107).

 

Die generelle Struktur unserer Arbeit mit kybernetischem Design. besteht einerseits aus der reichhaltigen Erfahrung in Beratungs- und Coachingprozessen, andererseits nutzen wir die Vorgehensweisen aus dem Communication Design. Hier im besonderen Designprozessmanagement, Branddesign und Strategical Communications wie sie Prof. Kai Beiderwellen seit mehr als 20 Jahren an der Hochschule Mannheim lehrt und weiterentwickelt.

 

Die Struktur des systemisches Denkens und der Kontextverschiebungen wird im Kybernetischen Design. in drei Bereiche, oder Räume gegliedert. Der Moderationsraum dient dazu den Informationsgehalt einer Problemstellung durch Ordnung zu reduzieren und eine Haltung zur Problemstellung zu entwickeln. Im Innovationsraum wird der Informationsgehalt durch Unordnung (Noise) erhöht. Denkmuster werden erkannt und aufgebrochen. Der Organisationsraum gewährleistet die Anschlussfähigkeit in bestehende Prozesse, Strukturen und Arbeitsweisen. Dort werden Ideen und Impulse werden z.B. mit Ansätzen aus dem Designprozessmanagement umgesetzt und implementiert.
Die Kernaufgabe von Prozessbegleitern ist es, Ordnung(en) zu schaffen. Die Besonderheit dabei ist, dass diese nicht nur einen selbst, sondern gerade auch für Auftraggeber, Beteiligte und Betroffene sinnvoll, brauchbar und anschlussfähig erscheinen. In einem fortwährenden Klärungsprozess werden deshalb fortwährend unterschiedliche Strukturvorschläge so lange angeboten, verworfen oder weiterentwickelt, bis eine passende Form gefunden ist, die der jeweiligen Situation gerecht wird und als nützlich angesehen wird. Worum geht es? Worum nicht? War das gemeint, oder etwas anders? Was bedeutet x für y? Wo bestehen Zusammenhänge? Wo liegen die Schwerpunkte? Welche Optionen sind grundsätzlich denkbar? Was spricht jeweils dafür, was dagegen? Was gehen wir zuerst an? Was lassen wir weg?

 

Häufig werden dafür eine Struktur, ein Diagramm, eine Matrix, ein Schaubild oder ein Ordnungsraster genutzt, die entweder Teil eines vorgeplanten Kommunikationsprozesses sind oder diese entstehen live aus dem Gespräch heraus. Auf diese Weise prägen die eingesetzten Strukturwerkzeuge die Kommunikation von vorne herein, oder sie unterstützen maßgeblich dabei, aus einem offenen Prozedere in einen ordentlichen, zielorientierten Verlauf zu münden. Dabei unterstützen Strukturhilfen in der Analysephase genauso, wie beim Treffen von Entscheidungen, dem Klären von Konflikten, dem Sortieren von Verantwortlichkeiten, dem Lösen von Problemen oder bei Transferfragen in Richtung Alltag. Die Ordnungsangebote, gerade wenn sie visualisiert sind, helfen allen Beteiligten, den Kommunikationsprozess zielorientiert auszurichten, Wechselwirkungen aufzuzeigen, Prioritäten zu setzen oder in die Tiefenstruktur von Themen vorzudringen, statt nur an der Oberfläche zu kratzen. So können sinnvolle Unterscheidungen getroffen werden. Positionen werden sichtbar. Komplexität wird bearbeitbar. Kommunikation wird anschlussfähig, Verständnis möglich.